(SZ 21.02.2011) Podium diskutiert auf Schmusekurs
Ausgang City / Aufgang Nord
Simone Decker: „Meeting“,
33 Rohedelsteine in den Wänden des Lützelbachtunnels Saarbrücken, ab dem 12.12.2010
„Meeting“, Projekt von Simone Decker
Rohedelsteine im Lützelbachtunnel Saarbrücken – ab 12.12.2010.
Die Landeshauptstadt Saarbrücken dankt für die freundliche Unterstützung der Deutschen Bahn AG, der GIU mbH Saarbrücken und der Fa. Günter Bohrer Rohsteinhandlung Idar-Oberstein/Tiefenstein.
„Mobile Kälte“, Projekt von Folke Köbberling und Martin Kaltwasser
Drei Modelle von Sitzbänken, gebaut aus Recyclingmaterial: Union Station,
Los Angeles, Sants-Estació, Barcelona und Centrâlâ Stacija, Riga, sowie drei Plakate in der Bahnhofsunterführung, und eine Aktion im Warteraum des Eurobahnhofs Saarbrücken. Die Landeshauptstadt Saarbrücken dankt für die freundliche Unterstützung der Deutschen Bahn AG, der GIU mbH Saarbrücken und dem ZBB Saarbrücken.
\“Mobile Kälte\“, Köbberling/Kaltwasser, Saarbrücken 2010
\“Mobile Kälte\“ Köbberling/Kaltwasser, Saarbrücken 2010
Artikel in der ZEIT vom 21. Oktober 2010 über die Fahrt des Performanceexpress nach Metz am 18. 9. 2010
Videoclip von Christoph Helmholz zum Performanceexpress Saarbrücken-Metz
ZWISCHENBILANZ
Einiges ist passiert in Saarbrücken seit die Projektreihe Ausgang City / Aufgang Nord an den Start gegangen ist. Zeit für eine Zwischenbilanz. Wir ziehen diese im Rahmen einer dokumentarischen Ausstellung im KuBa – Kulturzentrum am Eurobahnhof. Fotos, Videos und Objekte dürften für alle interessant sein, die die Aktionen in der Stadt nicht persönlich miterleben konnten. In den kommenden Monaten wird es dann Projekte von Simone Decker und dem Künstlerduo Köbbeling/Kaltwasser geben.
Zur Eröffnung am Sonntag den 12.09. 2010 um 17:00 Uhr laden wir Sie herzlich ein.
Nach der Begrüßung durch Michaela Kilper-Beer, Leiterin des KuBa – Kulturzentrum am Eurobahnhof e.V. sprechen Kulturdezernent Erik Schrader und Kurator Kai Bauer.
Außerdem findet am selben Abend noch der Kartenverkauf für weitere Fahrten des Performance Express statt. Wir freuen uns auf Ihr zahlreiches Erscheinen!
Am Donnerstag den 16.09. 2010 15:00 bis 19:00 Uhr wird es dann eine Präsentation des Riegelsberger Ziegenhofs geben. Die beiden Ziegen Hexe und Hassia, die viele schon bekannt sein werden, kommen ebenfalls zum KuBa.
wo dort links
Jürgen Palmtags Projekt für „Ausgang City / Aufgang Nord –
Temporäre Kunstprojekte. Saarbrücken City & Quartier
Eurobahnhof 2010“
Jürgen Palmtag, 1951 geboren in Schwenningen/Neckar, studierte 1971-78 an der HdK
Berlin. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, wie 2005 das Stipendium Cité
Internationale des Arts, Paris oder 2007 den Hörspielpreis „Premiere im Net“ der ARD.
Der Künstler lebt in Schömberg-Schörzingen.
Jürgen Palmtag entwickelt für Saarbrücken ein Textprojekt. Die einzelnen Textelemente,
wie beispielsweise „egoloff-gerät“ „hummelmann“ oder „privatkopie“ lässt er zunächst
auf Fahrrädern anbringen. Diese Textaufkleber, die an Stelle der üblichen Firmenlogos
auf den Rahmen der Fahrräder zu sehen sind, machen die Räder zu potentiell mobilen
Botschaftern. Die Fahrräder werden im Stadtgebiet an unterschiedlichen Stellen auf
spezielle Ständer aufgestellt. Vor jedem Ständer wird das gleiche Textelement mit
Schablonen am Boden aufgebracht. Dadurch entsteht eine weitere, statische Netzstruktur
aus Stationen mit Ständern und Texten, die den Stadtraum durchzieht. Die mobilen
Textelemente auf den Fahrrädern stehen in einem prozesshaften, nicht vorhersagbaren
und sich ständig verändernden Bezugssystem zu den statischen Ständer- und
Textstationen.
In das bestehende System von Verkehrszeichen und Logos sickern Palmtags
Fahrradtexte gemächlich und vereinzelt ein. Sie sind dabei Fremdkörper, denn sie
kommunizieren keine normierten Inhalte, die eindimensional verständlich wären.
Textelemente wie „so harte faust“ „sorgeloos“ „tempowarze“ lösen stattdessen
individuell unterschiedliche Assoziationen aus und funktionieren damit auf einer ganz
anderen Ebene als die massenkompatiblen öffentlichen Zeichensysteme. Das Prinzip der
Veröffentlichung von Botschaften mit seinen steuerbaren und unkontrollierbaren Anteilen
wird damit zum Thema des Kunstprojektes.
Zweite Fahrt des Performance Express von Byung Chul Kim am 18.6.2010 nach Luxembourg
Die zweite Fahrt des PERFORMANCE EXPRESS veranstaltete Byung Chul Kim nach Luxembourg, in das Museum MUDAM für zeitgenössische Kunst http://www.mudam.lu/de/expositions/details/exposition/sketches-of-space .
Dort wurde am Abend eine Ausstellung eröffnet, in der die Künstlerin Simone Decker eine ortsbezogene, konzeptuell auf das Museum bezogene Installation zeigt. Die Künstlerin wird im September 2010 ebenfalls ein Stadtprojekt für die Reihe Ausgang City/Aufgang Nord beitragen. http://www.simonedecker.com
Vom 14.6. bis zum 16.6. hat Byung Chul Kim wieder einen Stand am Hauptbahnhof Saarbrücken betrieben, an dem Performances angemeldet und Tickets gegen die Aufführung der Performances am 18.6.2010 eingetauscht werden konnten. Eine Anmeldung mit Foto und Performanceidee war auch über <performanceexpress.wordpress.com> möglich. Zum Preis von 30,- € pro Person (ermäßigt 20,- €) konnte ein Fahrschein ohne Performance erworben werden.
Hier Fotos von der ersten Fahrt des PERFORMANCE EXPRESS von Saarbrücken nach Metz am 15.5.2010
Diese Diashow benötigt JavaScript.
PERFORMANCE EXPRESS von Byung Chul Kim
Das Projekt PERFORMANCE EXPRESS des Künstlers Byung Chul Kim macht das Zug fahren selbst zum Thema. Die erhöhte Aufmerksamkeit, die durch das staufreie Fahren und das enge Beisammensein unterschiedlicher Menschen in einem Zug ausgelöst wird, will Byung Chul Kim für performative Handlungen einzelner Fahrgäste nutzen. Die Züge des PERFORMANCE EXPRESS lässt der Künstler im grenzüberschreitenden Verkehr zwischen Deutschland, Frankreich und Luxembourg fahren.
Wie beim PERFORMANCE HOTEL, ein Projekt, das der Künstler ab Juli 2009 für zwölf Monate in Stuttgart betrieb, soll auch beim PERFORMANCE EXPRESS eine andere Ökonomie praktiziert werden, indem die Vergabe von Tickets entweder gegen Geld oder alternativ gegen eine „performative Leistung“ erfolgt. Menschen, die mit einer Performanceidee einen Fahrschein eintauschen wollen, konnten sich im Hauptbahnhof Saarbrücken am Stand des Künstlers, oder über <performanceexpress.wordpress.com> mit Foto und Telefonnummer bewerben. Am Stand können auch Interessenten ohne Performanceidee einen Fahrschein kaufen. Die Zahl der Tickets ist jeweils begrenzt. Der Künstler Byung Chul Kim versucht grundsätzlich, alle Performer „zum Zug“ kommen zu lassen.
Es wurden zunächst eine Fahrt von Saarbrücken nach Metz (15.5.2010) und nach Luxembourg (18.6.2010) durchgeführt, Fahrten nach Metz (18.9.2010) und Paris (6.11.2010) sind geplant.
Das Projekt PERFORMANCE EXPRESS versucht, neue Formate auszuprobieren und Kunst im öffentlichen Raum mit einem weiterentwickelten Performance Begriff zu verbinden. In der Reihe „Ausgang City / Aufgang Nord“ mit der die Landeshauptstadt Saarbrücken 2010 das Stadtgebiet und das Quartier Eurobahnhof künstlerisch bespielen lässt, hat das Projekt eine Sonderstellung inne, weil es die Möglichkeiten von Kunst im öffentlichen Auftrag grundsätzlich erweitert: Es sprengt die Grenzen von ortsbezogener oder sozio-spezifischer Interventionskunst. Fahrende Züge sind keine üblichen Orte für Kunst im Stadtraum und die Gruppe der mutigen Performer, die mit ihrer Idee und deren Aufführung im Zug zu einem Gratisfahrschein kommen, setzt sich aus Teilnehmern unterschiedlichster Herkunft zusammen. PERFORMANCE EXPRESS ist ein organisatorisch aufwändiges Projekt. Es verbindet Kulturbehörden in der Stadtverwaltung, Stellen der Deutschen Bahn AG und der französischen SNCF/TER, Privatunternehmen, Medien und das Betriebssystem Kunst – nicht immer freiwillig – miteinander. Diese unterschiedlichen Personen, Unternehmen und Institutionen werden –im direkten und übertragenen Sinne – „grenzüberschreitend“ tätig und wenden sich an interessierte Teilnehmer, seien es künstlerische Laien oder professionelle Performer.
Einige Tage vor jeder Zugfahrt wurde im Foyer des Hauptbahnhofs Saarbrücken ein Stand eingerichtet. Byung Chul Kim bot dort einen Beratungs- und Anmeldeservice an, bei dem interessierte Personen ihre Performanceidee präsentieren, oder Informationen über das Projekt einholen konnten. Bereits in dieser Aktionsphase, vor der eigentlichen Zugfahrt, entwickelte sich so ein allgemeiner, offener und sich selbst organisierender Diskurs. Das Angebot an gestaffelten Preisklassen bewirkte eine Wertediskussion. Es entstehen Fragen zur Kunst und zu Kriterien, mit denen menschliche Konzeption und menschliches Handeln grundsätzlich zu beurteilen sind: Was ist eine Performance wert, was ist Kunst generell wert? Welchen Wert hat eine Idee, welchen Wert hat die praktische Ausführung? Können Performances von Laien mit denen von ausgebildeten Künstlern verglichen werden? Was ist eine gute, was eine schlechte, was eine langweilige Performance? Das Konzept, das „Spielsystem“ des Künstlers, vermischt zudem herkömmliche kommerzielle und auf dem Tauschprinzip basierende Vorgehensweisen. Die Kritik an der Monopolstellung von Geld als Tauschmittel ist seit der internationalen Finanzkrise 2008 für die zeitgenössische Kunst ein Thema.
Der Stand im Bahnhof und die Station auf dem Bahnsteig kurz vor der Abfahrt stellen die statischen Interventionsorte, der fahrende Zug mit den Performances stellt den bewegten Ort für das temporäre Kunstprojekt des Künstlers dar. In den Aktionen während der Zugfahrt spiegeln sich Prinzipien der Selbstorganisation wieder. Es ist daher nur konsequent, dass der Künstler bei der ersten Fahrt nach Metz im Moment der Abfahrt die Veranstaltung diskret verließ und an den eigentlichen Performances im Zug nicht teilnahm. Die Performer blieben sich selbst überlassen und entwickeln teils spontan, teils geplant das Eventprogramm während der Hin- und Rückfahrt über die deutsch-französische Grenze. Byung Chul Kim erwartete den Zug abends bei seiner Ankunft am Bahnsteig. Dieses Vorgehen bei der ersten Fahrt ist jedoch charakteristisch für den ungewöhnlichen konzeptuellen Ansatz des Künstlers. Er schafft nur den Bedeutungsraum, in dem sich die künstlerischen Ideen und ihre Interpretationen entwickeln können: Aufnahmen für ein Musikvideo mit Luftballons, schräge Typen mit absonderlichen Instrumenten oder ein opernreif singender Italiener sind performende Teilnehmer, dazwischen Presse- und Fernsehleute, die sich durch die zahlreichen Fahrgäste und Zuschauer drängen.
Kai Bauer © 2010




















